Der Schiller-Code

Der Schiller-Code

ao.Univ.-Prof. Dr. Walther Parson
Institut für Gerichtliche Medizin
Medizinische Universität Innsbruck
Innsbruck

Die Authentizität der sterblichen Überreste von Friedrich von Schiller (1759-1805), einem der bedeutendsten Dramatiker und Vorläufer der Weimarer Klassik, stand im Mittelpunkt eines fast 200 Jahre währenden wissenschaftlichen Streits. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es zwei fast vollständige Skelette, die beide dem Dichterfürsten zugeordnet wurden. Das erste Skelett wurde 1827 in der Weimarer Fürstengruft beigesetzt, nachdem Schillers Schädel fast ein Jahr lang zuvor auf dem Schreibtisch von Johann Wolfgang von Goethe lag. Die Überreste wurden 1826 unter der Leitung von Weimars erstem Bürgermeister Karl Leberecht Schwabe aus dem Kassengewölbe der Weimarer St. Jakobskirche exhumiert. Im Jahre 1911 präsentierte der Anatom August von Froriep das "authentische Schillerskelett" nach wiederholten Ausgrabungen im Areal des ehemaligen Kassengewölbes. Seitdem berichteten zahlreiche Studien über kontroverse Ergebnisse bei der Bewertung der Schwabe und der Froriep-Skelette. Im Jahr 2006 genehmigte die Klassikstiftung Weimar ein interdisziplinäres Projekt zur Klärung der Skelettfrage anhand anthropologischer, toxikologischer und molekulargenetischer Verfahren. Dieses Projekt war erfolgreich und führte zu einer klaren Antwort hinsichtlich der Authentizität der Skelette. Der Vortrag führt durch den Verlauf der Forschungsaktivitäten und diskutiert die Ergebnisse im Lichte der Argumente der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

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